ab-orte

Menschen, die am Klo lesen, sind ihm schon immer suspekt gewesen. Ist er irgendwo zu Besuch, sucht er – ob er muss oder nicht – den Abort auf, nur um Gewissheit zu haben. Da gibt es die Zeitschriftenständer mit Hochglanzmagazinen und Gratiszeitungen. Da gibt es stapelweise Reader’s-Digest-Hefte und im schlimmsten Fall sogar Bücher: richtige Bücher mit Schutzumschlag und Umschlag und Seiten. Und mehr noch, Gott sei’s geklagt, als Menschen, die Eselsohren als Lesezeichen knicken,...

Die Lumpenvenus könnte ebenso gut (und noch berechtigter) Schuh-Venus sein. (Gibt es für Schuhe ein ähnliches Äquivalent wie es Lumpen für Kleider sind?) Sie würfe denselben angelischen Schatten (SCHATTEN: Ein unscheinbarer Engel: Trotzdem war die Ähnlichkeit mit jenem Anderen, der ihn vor langer Zeit in Schnee und Sturm gerissen hatte, auf geheimnisvolle Art frappant. – K. Mann, Der Vulkan) und dieselben (unmöglichen) KL-Assoziationen stellten sich ein. Bzw. dasselbe Gefühl von...

Der Weg in die Fremde ist der Weg zum Ab-Ort und ein Weg von Abort zu Abort. Claude Lévi-Strauss etwa macht sich auf den Weg in die traurigen Tropen, mit dem Schiff nach Brasilien. Die Schiffstoiletten entlang der Reling sind aus Holz, eine mit Zink verkleidete Holzrinne führt von ihnen aus ins Meer. Von intensiver werdenden Urin- und Fäkalgerüchen ist die Rede, von erschwerten Bedingungen bei hohem Wellengang und von den absurden Wettrennen frühmorgens, um den Morgenschiss allein hinter...

Der Bekannte des Freundes einer Arbeitskollegin … So beginnen urbane Legenden. (URBAN LEGEND: Sagen sind Ausdruck der menschlichen Furcht vor dämonischen Wesen, vor dem Tod und den Toten. Gleiches gilt auch für die modernen Sagenerzählungen, nur lauert das Unvorhergesehene, Bedrohliche und Unbegreifliche hier in unserer eigenen Umwelt. – R. W. Brednich, Die Spinne in der Yucca-Palme.) Der Bekannte des Freundes einer Arbeitskollegin also hat sich an einem ihm bekannten Lost Place...

Einmal auf der Spur, habe ich von fast jedem Stillen Ort, auf welchen ich in der weiten und der engeren Welt gestoßen bin, mit einer Einwegkamera, Photos gemacht (die mir jetzt nichtssagend vorkommen). (P. Handke, Versuch über den stillen Ort)

Er verlässt seine Wohnung. Er geht. Der Weg ist nicht weit, kaum vierhundert Meter, gerade einmal drei Richtungsänderungen. Lieber wäre es ihm, wenn der Weg länger wäre, der Ort weiter entfernt, außerhalb gelegen. Der perfekte lost place, denkt er, liegt nicht um die Ecke, sondern um die Ecke der Ecke. (Die Paranoia setzt augenblicklich ein: Er weiß sich von allen beobachtet. Und er weiß, dass jeder, der ihn sieht, weiß, was er vorhat. Als wäre es ein Verbrechen.) Außerhalb gelegen,...