Chelsea Hotel

Alle waren sie da, die Namen sind Legion: Dylan Thomas, Salvador Dalí, Andy Warhol, Edie Sedgwick, Jack Kerouac, Jimi Hendrix, Joni Mitchell, Bob Marley, Jackson Pollock. Aber er sucht andere Zimmer. Sucht – we are ugly but we have the music – nach dem Bett (ungemacht: über die Jahrzehnte hinweg ungemacht), in dem Janis Joplin Leonard Cohen einen geblasen hat. (Die Bettwäsche ist abgezogen, nur noch die nackten Matratzen: Auf alten Klamotten liegt eine Autonummerntafel – wie um …) Das Zimmer 100, natürlich, es muss das sein, dessen Badezimmer er von unten betrachtet: die hässlichen, gelb-braunen Fliesen und alles in der Schwebe. Kein Boden unter den Füßen, kein – and so I face the final curtain (ha ha ha!) you cunt – Halt für Sid Vicious, der mal eben seine Freundin Nancy ersticht und sich ein knappes halbes Jahr später ebendort eine Überdosis verpasst. Dann geht er in die Dunkelheit des Kellers, geht – there's no place in this world where I'll belong when I'm gone – in die dumpfe Luft der Küchengerüche und des Schimmels. Dorthin, wo John Train den säuferwahnsinnigen Phil Ochs ermordet hat. Nicht gut genug freilich, Phil Ochs kehrt zurück und muss auf die Straße, um sich ein Jahr später zu erhängen – gut genug, aber schon nicht mehr hier, sondern im Haus seiner Schwester. Er geht weiter von Raum zu Raum, soweit die Decken oder Böden nicht eingestürzt sind – „ein Puppenhaus in der Twilight Zone, mit Hunderten von Zimmern, von denen jedes ein eigenes kleines Universum barg.“ (Patti Smith) – 2018 werden 52 Türen des Chelsea Hotel versteigert: Den höchsten Preis erzielt jene Tür, hinter der Bob Dylan die Dame mit den traurigen Augen besungen hat: Oh, who among them do they think could bury you?