W-a-a-a-r-r-u-m sch-ei-ei-ei-ß-e-e-n Sie d-e-e-e-e-n-n n-i-i-i-i-icht?

Menschen, die am Klo lesen, sind ihm schon immer suspekt gewesen. Ist er irgendwo zu Besuch, sucht er – ob er muss oder nicht – den Abort auf, nur um Gewissheit zu haben. Da gibt es die Zeitschriftenständer mit Hochglanzmagazinen und Gratiszeitungen. Da gibt es stapelweise Reader’s-Digest-Hefte und im schlimmsten Fall sogar Bücher: richtige Bücher mit Schutzumschlag und Umschlag und Seiten. Und mehr noch, Gott sei’s geklagt, als Menschen, die Eselsohren als Lesezeichen knicken, verabscheut er Menschen, die Klopapierblätter (sprich: KL/OPA/PI/ERB/LÄT/TER & w-e-e-e-r-r-z-a-a-a-h-h-h-l-l-t-sch-sch-sch-a-a-a-f-f-t-a-a-a-a-a-a-a-n!) dazu verwenden. Kurz, mit Menschen, die während des Scheißens lesen, ist irgendetwas nicht in Ordnung. (Ganz und gar nicht.) Mit dem Schreiben ist das freilich anders: Die besten Sätze hat er sich erschissen … Und dazu kommt (im sog. Gedanken): Er kann nicht anders, als sich eine abortige Bibliothek zusammenstellen und sie laufend zu ergänzen. 

Die reizenden Fäkaliendramen, naturgemäß & selbstverfreilicht, des reizenden Herrn Schwab: Mariedl, die’s ohne Handschuh macht, d.h. Mariedl in plain D. (PLAIN D: Alle zugleich tun sie die Mariedl anfeuern für den nächsten Abort. Und schon langt die Mariedl kräftig hinunter, die kann was schaffen, die Mariedl. Das aufgeweichte Klopapier hat sie schon heraufgefischt und den dünnen Stuhl auch, da spürt sie schon wieder etwas Hartes … und schwupp, da ist es schon am Tageslicht. – W. Schwab, Die Präsidentinnen.) Aber der Heiligen Johanna der Scheißhäuser gebührt ein eigener Abort (und eigentlich überhaupt alle Aborte.) Und natürlich steht da der Herr Strindberg aus Schweden während seiner Inferno-Krise in Frankreich. (Markante Affinität von Abort und Theater: Die sog. Defäkation ist das Drama schlechthin.) Der Innenhof: die Fäkalienhölle. (FÄKALIENHÖLLE: Alles, was mir geschehen war, finde ich bei Swedenborg wieder; die Angstgefühle (angina pectoris), Brustbeklemmung und Herzklopfen, der Gürtel, den ich elektrisch nannte, alles trifft zu, und die Gesamtheit dieser Phänomene bildet die geistige Reinigung. Swedenborg deutet mir den Sinn der hundert Aborte im Hotel Orfila; sie bilden die Kothölle. Auch der Schornsteinfeger, den meine Tochter in Österreich gesehen hat, findet sich wieder. – A. Strindberg, Inferno) Im Hintergrund steht also die Unvernunft des Herrn Kant, im Mittelpunkt die Ouroboros-Meute (KOTMEUTE: 1. April: Kot geschmiert: Ich bitte um einen Schlafrock zur gründlichen Erlösung. Nachts sind 24 Huren bei mir gewesen. 5. April: Uriniert in den Stiefel und trinkt den Urin. 14. Juni: Hält den Oberwärter für Bismarck. 17. Juni: Macht Turnbewegungen, hält oft stundenlang seine Nase fest. 6. August: Ein Bein mit Kot eingerieben. – N. N., Krankenjournal F. Nietzsche, Irrenanstalt Jena) des Herrn Nietzsche und im Vordergrund steht Herr Brus und die Vernunft des Flaggenbeschisses. (BESCHISS: Scheiße, ich ärgere mich, weil ich nicht alles gelesen habe, was geschrieben wurde! – G. Brus, Nach uns die Malflut!) Und über all dem schwebt – leidend, weil angewundert scheißend (SCHEISSE: Ei verflucht, das sagt sich schwer, daß der liebe Gott sich f..... läßt. – D. P. Schreber, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken) – der ehrwürdige Staatspräsident Daniel Paul Schreber & seine ehrwürdigen Denkwürdigkeiten.

In der kleinen Studie XIII im Notizbuch B befindet sich ein Eintrag vom 16. Januar 1898. Sein Inhalt sei hier verschwiegen, angeführt jedoch der Kommentar hierzu (cf. Kapitel XVI. Denkzwang): Wie alles Andere an meinem Körper, wird nämlich auch das Ausleerungsbedürfniß durch Wunder hervorgerufen; es geschieht dies, indem der Koth in den Därmen vorwärts (manchmal auch wieder rückwärts) gedrängt wird und wenn in Folge bereits geschehener Ausleerungen genügendes Material nicht mehr vorhanden ist, wenigstens die noch vorhandenen geringen Reste des Darminhalts auf meine Gesäßöffnung geschmiert werden. – Geschmiert also und also: Graffiti, d.h. Schrift. Der einzig logische Schluss daraus (tertium non datur) lautet: Schrift ist Scheiße (weil AUSGESCHIEDEN & geschmiert). Immer. Bzw.: Die besten Sätze sind erschissen. Unter der Qual des Hämorrhoiden-Rosenkranzes. (cf. Ch. Bukowski!)

Zugleich äußert sich dabei aber auch die ganze Perfidie der Politik, die mir gegenüber verfolgt wird. Nahezu jedesmal, wenn man mir das Ausleerungsbedürfniß wundert, schickt man – indem man die Nerven des betreffenden Menschen dazu anregt – irgend eine andere Person meiner Umgebung auf den Abtritt, um mich am Ausleeren zu verhindern; es ist dies eine Erscheinung, die ich seit Jahren in so unzähligen (Tausenden von) Malen und so regelmäßig beobachtet habe, daß jeder Gedanke an einen Zufall ausgeschlossen ist. – Die ganze Perfidie der Politik: Keine weiteren Fragen, Euer Ehren, vergelt’s Gott … Daraus jedenfalls sei geschlossen: Der Abort, wir erinnern uns, ist der geschlossene Ort im Sperrdruck (SPERR-DRUCK: Dieser Spieler gehört weder zum geschlossenen System der langue, noch zur offenen, zufälligen Veränderung der parole, sondern vielmehr zur Bewegung der Differenz, die sowohl langue wie parole artikuliert und ihr Subjekt immer in eine Art Sperrdruck setzt. – M. Weber, Rückkehr zu Freud.) Immer ist der Ab-Ort immer schon geschlossen. Verstopft ist der Abfluss (recte: der Darm), versperrt ist die Tür, auch wenn die Schrift (= Schizo-Scheiße) frei (= Freiheit) sagt, mit Verlaub. 

Dem Drama freilich, so besagt es die Regel, d.h. so sagt es der ehr- und denkwürde Herr Aristoteles, ist die Katharsis (KATHARSIS: Die Tragödie ist Nachahmung einer guten und in sich geschlossenen Handlung von bestimmter Größe, in anziehend geformter Sprache, die Jammern und Schaudern hervorruft und hierdurch eine Reinigung von derartigen Erregungszuständen bewirkt. – Aristoteles, Poetik) inhärent. Kurz, Scheißen ist geil: Wenn ich dann im Falle eines Bedürfnisses wirklich ausleere, – wozu ich mich, da ich den Abtritt fast stets besetzt finde, in der Regel eines Eimers bediene – so ist dies jedesmal mit einer überaus kräftigen Entwickelung der Seelenwollust verbunden. Die Befreiung von dem Druck, der durch den in den Därmen vorhandenen Koth verursacht wird, hat nämlich für die Wollustnerven ein intensives Wohlbehagen zur Folge; das Gleiche ist auch beim Pissen der Fall. – Vielleicht darum, denkt er, vielleicht ist das Scheißen (& Pissen) zu nervenwollüstig-geil, um daneben noch zu lesen. Vielleicht geht nichts über die haptischen Lektüren der hämorrhoidal-verknoteten Rosette.

 

Nachschrift bzw. Bibliotheksergänzung bzw. Regel/11/supplement: EI: Ei verflucht, das sagt sich schwer, daß der liebe Gott sich f..... läßt. (D. P. Schreber, Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken)